4 Häkchen, die Singles bei Stromtarif-Vergleichen (nicht) anklicken sollten

Wer ausführlich nach einem günstigen Stromanbieter sucht, landet früher oder später bei einem Stromtarif-Vergleich im Internet. Das Angebot der um die 1.000 Stromanbieter ist nämlich einfach zu unüberschaubar, um es ohne fremde Hilfe durchschauen zu können.

Da man nun bei der Stromanbieter-Auswahl viel Geld sparen, aber auch vieles verlieren kann, ist es wichtig, dass man bei Stromtarif-Vergleichen besonders überlegt vorgeht. Es ist deshalb für Stromkunden ganz sinnvoll, sich erst mal Gedanken darüber zu machen, welche Rolle Stromtarif-Vergleiche beim Stromanbieter-Wechsel überhaupt spielen und wer beim Anbieterwechsel welche Ziele verfolgt.

Die ersten Fehlerquellen beim Stromtarif-Vergleichen fangen damit an, dass man die falschen Häkchen bei der Filterung nach Anbietern setzt. Ich habe mir deshalb mal bei diversen Stromtarif-Vergleichen angesehen, welche Häkchen mir dort für Singlehaushalte, die Kosten beim Strom sparen wollen, als sinnvoll zum Anklicken erscheinen und beschreibe hier meine Meinung dazu.

Häkchen 1: (das Häkchen für risikofreudige) Tarife mit Vorauskasse, Kautionen, Sonderabschlägen oder Sonderzahlungen, die vorher bezahlt werden müssen

Bei einigen Stromtarif-Vergleichen ist diese Option nicht als Häkchen wählbar, sondern man kann diese Art von Anbietern bei seiner Suche berücksichtigen, indem man bei Zahlungsweise die Option ‚alle‚ auswählt.

Günstige Stromtarife, bei denen man den Großteil der Stromkosten vorher bezahlen muss, sind ähnlich wie hochspekulative Geschäfte an der Börse. Man kann hier viel Geld sparen, kann aber auch viel verlieren. Denn bei einer Insolvenz des Unternehmens geht das investierte Geld meistens verloren. Die Stromkosten sind oft so günstig, dass die Unternehmen ihre Kunden nur beliefern können, wenn sie es immer wieder schaffen, neue Kunden zu werben.

Wer einen Stromtarif mit Vorauszahlung abschließen will, sollte sich fragen „Wie lange muss das Unternehmen noch überleben, bis sich die Investition für mich rentiert hat?„. Außerdem sollte man, genau wie an der Börse, hier nur Geld investieren, auf das man zur Not auch verzichten kann. Weiterhin sollte man, wie viele Stromtarif-Vergleiche auch empfehlen, sich über die Bonität der Stromanbieter informieren.

Häkchen 2: (das Häkchen für fleißige) Beachtung von Neukundenboni oder einmaligen Rabatten

Vergünstigungen für Neukunden sind ein beliebtes Mittel, Stromtarife für Stromkunden attraktiver erscheinen zu lassen. Oft sind einmalige Rabatte ein kleines bisschen höher als die jährliche Stromkosten-Ersparnis im Gegensatz zum Grundversorger-Tarif. Das bedeutet, dass die Tarife ab dem zweiten Vertragsjahr alles andere als günstig sind – nämlich meist ein bisschen teurer als ein vergleichbarer Tarif vom Grundversorger.

Die Rabatte werden in der Regel erst nach einem Vertragsjahr ausgezahlt. Sich als Stromkunde auf einen Tarif einzulassen, der aufgrund eines Rabattes der günstigste im ersten Vertragsjahr ist, ist also normalerweise nur sinnvoll, wenn man beabsichtigt, den Vertrag zum Ablauf des ersten Jahres wieder zu kündigen.

Ob man einmalige Rabatte bei der Auswahl seines Stromtarifs berücksichtigen sollte, hängt also davon ab, ob man beabsichtigt…

  • seinen Vertrag kurz nach Abschluss wieder zu kündigen – zum Termin, nachdem man den Bonus erhalten hat. Dann sollte man einmalige Boni berücksichtigen.
  • einen langfristig günstigen Stromtarif abzuschließen. Dann sollte man einemalige Boni nicht berücksichtigen.

Für Singlehaushalte bieten fixe Rabatte oft prozentual hohe Einsparmöglichkeiten. Bei jährlichen Stromkosten von beispielsweise 360 € und einem Rabatt von 80 €, der die Stromkosten auf 280 € pro Jahr senkt, werden die gesamten Stromkosten durch den Rabatt um etwa 22% gesenkt. Das ist eine relativ hohe Ersparnis, die man – prozentual gesehen – so in Mehrpersonenhaushalten nicht so leicht erreichen könnte.

Der Haken an der Ersparnis ist nur, dass man sich drum kümmern muss. Und da Singles oft viel zu tun haben, weil sie sich ebenfalls um alle anderen Dinge in ihrem Haushalt kümmern müssen, stellt sich die Frage, ob man bereit ist, zum Geld sparen die eigene Zeit mehr als nötig ins Thema Stromtarife investiert.

Unter dem Aspekt, dass Singlehaushalte im Vergleich oft schlecht mit ihrem Geld über die Runden kommen und auch überdurchschnittlich oft verschuldet sind, würde ich finanziell schlechter aufgestellten Singlehaushalten dazu raten, von Neukundenrabatten bei Stromtarifen zu profitieren – allerdings auch nur unter der Vorraussetzung, dass man sich zutraut, den Vertrag rechtzeitig zu kündigen.

Das Sparen von Haushaltskosten durch immer wieder erneute Wechseln zu günstigen Stromanbietern kostet Zeit und ist deshalb eine Kostenersparnis für die eine Einbuße in Kauf genommen wird. Das ist ok, wenn man die Zeit hat und bereit zu investieren ist. Wenn man allerdings in seinem Haushalt noch Kosten hat, die langfristig gesenkt werden können, ohne dafür dauerhaft Einbußen in Kauf nehmen zu müssen, dann kommt man wahrscheinlich günstigster weg, wenn man erst mal einen langfristig günstigen Stromtarif wählt – dabei auf Boni verzichtichtet – und dadurch möglichst schnell dazu kommt andere, höhere Haushaltskosten dauerhaft zu senken.

Häkchen 3: (das Häkchen für alle) Nur Tarife mit (eingeschränkter) Preisgarantie

Diese Option wähle ich persönlich immer. Ich gehe davon aus, wenn ein Unternehmen keine Preisgarantie gibt, dass es dann plant, innerhalb der Vertragslaufzeit den Preis zu erhöhen. Und eine solche Erhöhung vom Strompreis kann jede Ersparnis – entweder durch einen Neukundenbonus oder durch eine günstige Tarifwahl – schnell zunichte machen.

Ich sehe irgendwo auch nicht viel Sinn darin, dass man sich selbst bei einem Stromtarif beispielsweise zu einer jährlichen Zahlung seiner Stromrechnungen verpflichtet, der Stromanbieter – als profitorientiertes Unternehmen – dagegen keine preislichen Verpflichtungen haben soll.

Besonders tragisch können Preiserhöhungen werden, wenn man einen eher teuren Stromtarif mit einmaligem Neukundenbonus mit der Hoffnung auf dessen Auszahlung nach einem Vertragsjahr abgeschlossen hat und im Laufe des Jahres der Strompreis so weit erhöht wird, dass die Erhöhung den Bonus wieder ausgleicht.

Häkchen 4: (das Häkchen für routinierte) Tarife mit festen kWh-Paketen (fester Stromverbrauch mit Minder- & Mehrverbrauchaufschlägen) berücksichtigen

Hier geht´s um Tarife, in denen ein fixer Stromverbrauch relative günstig gekauft wird. Wenn man weniger verbraucht, bezahlt man trotzdem den Grundpreis. Wenn man mehr verbraucht, bezahlt man relativ hohe Preise für den zusätzlichen Verbrauch. Wenn die Abweichungen im Verbrauch nicht dramatisch vom erwarteten Verbrauch abweichen, können sich diese Verträge immer noch lohnen.

Generell sind diese Stromtarife geeignet für Haushalte, die ihren Stromverbrauch gut einschätzen können. Ich denke, besonders Singles können das oft ganz gut. Zumindest dann, wenn ein Singlehaushalt schon eine Zeit lang besteht und Erfahrungswerte über den Stromverbrauch vorliegen. Wenn der Lebensrythmus zudem noch in halbwegs geregelten Bahnen verläuft und man keine Anschaffung von Geräten plant, die den Stromverbrauch stark beeinflussen könnten, lässt sich der Stromverbrauch in einem Singlehaushalt oft sehr gut abschätzen.

Für Singles, deren Haushalte die genannten Bedingungen erfüllen, können sich bei diesen Stromtarifen oft tolle Einsparmöglichkeiten ergeben.