Alleinerziehend und pleite? 8 Tipps für mehr Geld

Alleinerziehend und trotzdem Geld haben? Kein Widerspruch scheint größer. Doch ganz so aussichtslos ist die Sache nicht. Auch Mütter oder Väter ohne Partner können liquide sein. Der Unterhalt vom Ex ist nicht die einzige Möglichkeit. 8 Tipps für eine volle Haushaltskasse.

[Achtung: Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung, sondern nur meine persönliche Meinung als Laie. Sie können sich nicht auf die Angaben verlassen.]

Kindesunterhalt

Alleinerziehende haben Anspruch auf Zahlung von Kindesunterhalt durch den anderen Elternteil – und zwar bis zur Volljährigkeit des Kindes, bis zum Abschluss einer Berufsausbildung oder bis zur Heirat. Kindesunterhalt ist eine Geldleistung, der Vorrang vor sonstigen Unterhaltsansprüchen wie Betreuungs- oder Ehegattenunterhalt zukommt. Ein Anspruch auf Kindesunterhalt besteht nicht für die Vergangenheit, sondern erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung beim Familiengericht. Die Höhe des Kindesunterhalts wird anhand des Alters des Kindes und des Einkommens des zahlungspflichtigen Elternteils ermittelt. Die sogenannte „Düsseldorfer Tabelle“ ist eine alle ein bis zwei Jahre aktualisierte Richtlinie des Oberlandesgerichts Düsseldorf, die den gewöhnlichen Unterhaltsbedarf ausweist. Darüber hinaus kann der alleinerziehende Elternteil Unterhalt für außergewöhnliche Mehraufwendungen fordern, die einmalig (z. B. besondere Betreuungskosten) oder regelmäßig (beispielsweise Kindergartenbeiträge) anfallen.

Unterhaltsvorschuss + Änderungen ab Juli 2017

Wenn ein Zahlungspflichtiger den erforderlichen Kindesunterhalt nicht leistet, steht dem alleinerziehenden Elternteil ggf. ein Unterhaltszuschuss nach dem Unterhaltszuschussgesetz zu. Auch bei nicht geklärter Vaterschaft ist die Zahlung eines Unterhaltszuschusses möglich. Der Zuschuss ist beim Jugendamt zu beantragen. Unterhaltszuschuss ist eine staatliche Sozialleistung, die bis Juni 2017 nur für Kinder bis höchstens zum vollendeten zwölften Lebensjahr und für maximal 72 Monate gezahlt wird. Der Unterhaltszuschuss beträgt ab Anfang 2017 monatlich 150 Euro (Kinder bis fünf Jahre) bzw. 201 Euro (Kinder zwischen sechs und elf Jahren).

Ab dem 1. Juli 2017 entfällt die Höchstzahlungsdauer von 72 Monaten. Außerdem ermöglicht die gesetzliche Neuregelung die Leistung von Unterhaltsvorschüssen auch für Kinder von zwölf bis 17 Jahren (monatlich 268 Euro). Voraussetzung für eine Unterhaltszuschuss-Zahlung bei Kindern dieser Altersgruppe ist allerdings, dass das Kind keine Zahlungen nach SGB II erhält und dass das Monatseinkommen des Alleinerziehenden 600 Euro nicht übersteigt.

Betreuungsunterhalt

 

Alleinerziehende Elternteile, die wegen Betreuung eines Kindes nicht oder nur in eingeschränktem Umfang berufstätig sein können, haben eventuell einen Anspruch auf Betreuungsunterhalt gegen den anderen Elternteil. Die Zahlungsdauer von drei Jahren nach Geburt eines Kindes verlängert sich ggf. entsprechend den individuellen Umständen im Einzelfall. Ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt kann im Einzelfall auch aufgrund einer notwendigen Betreuung volljähriger Kinder bestehen (z. B. bei einem behinderten Kind). Betreuungsunterhalt wird aber nur gezahlt, wenn eventuell vorhandenes Vermögen des Alleinerziehenden zuvor zur Sicherung des eigenen Unterhalts verbraucht wurde. Zudem müssen dem Unterhaltspflichtigen nach Abzug eines Selbstbehalts ausreichende Finanzmittel zur Unterhaltszahlung zur Verfügung stehen. Die Zahlung von Kindesunterhalt hat dabei stets Vorrang vor dem Betreuungsunterhalt.

Kindergeld oder steuerlicher Kinderfreibetrag

Anspruch auf Kindergeld haben die Erziehungsberechtigten für Kinder, die im Familienhaushalt leben. Die Kindergeld-Berechtigung besteht unabhängig von der Einkommenshöhe der Eltern. Mit dem Kindergeld soll das Existenzminimum und damit die Grundversorgung von Kindern abgedeckt werden. Die Kindergeld-Zahlung erfolgt grundsätzlich bis zum 18. Lebensjahr, für in Ausbildung befindliche Kinder bis zum 25. Lebensjahr und für arbeitssuchende Kinder bis zum 21. Lebensjahr.

Leben die Eltern getrennt, so steht jedem der Elternteile eine Hälfte des Kindergeldes zu. Gewöhnlich wird jedoch dem alleinerziehenden Elternteil das gesamte Kindergeld überwiesen – unter Anrechnung auf die Unterhaltsverpflichtung des anderen Elternteils. Ab Januar 2017 (2018) beträgt das monatliche Kindergeld für das erste und zweite Kind 192 Euro (194 Euro), für das dritte Kind 198 Euro (200 Euro) und für jedes weitere Kind 223 Euro (225 Euro). Das Finanzamt berechnet im Rahmen einer „Günstigerprüfung“, ob für den Steuerpflichtigen eine Kindergeld-Zahlung oder die Inanspruchnahme eines Kinderfreibetrages nach § 32 Absatz 6 Einkommensteuergesetz vorteilhafter ist. Als Anhaltspunkt gilt: Ab einem Jahreseinkommen von etwa 33.500 Euro ist für Alleinstehende der Freibetrag günstiger als die Kindergeld-Zahlung.

Elterngeld und Elterngeld Plus

Alleinerziehende können Elterngeld als Entgeltersatzleistung beanspruchen, wenn sie aufgrund der Betreuung eines Kindes nicht oder nur teilweise erwerbstätig sind. Die Elterngeld-Höhe beträgt 65 bis 100 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens eines Elterngeld-Berechtigten, mindestens aber 300 Euro und höchstens 1.800 Euro. Alleinerziehende verfügen über einen Elterngeld-Anspruch wie Familien mit zusammenlebenden Eltern. Voraussetzung des Elterngeld-Bezuges ist die Betreuung und Erziehung des Kindes durch den alleinerziehenden Elternteil, ein inländischer Wohnsitz und eine höchstens 30 Wochenstunden umfassende Erwerbstätigkeit. Elterngeld wird für eine Bezugsdauer von 14 Monaten als „Basiselterngeld“ gewährt. Nach einer gesetzlichen Neuregelung können Eltern, deren Kinder ab 1. Juli 2015 geboren wurden, anstelle des Basiselterngeldes das neugeschaffene „ElterngeldPlus“ in Anspruch nehmen – wahlweise für die gesamte Bezugsdauer oder für einen frei wählbaren Teil-Zeitraum. Für ElterngeldPlus-Monate verdoppelt sich die Bezugsdauer gegenüber dem Basiselterngeld. Allerdings wird ElterngeldPlus, das insbesondere bisherige Teilzeitbeschäftigte ansprechen soll, nur bis zur Höhe von maximal der Hälfte eines Vollzeit-Elterngeldes gezahlt.

Wohngeld für Alleinerziehende

Wohngeld ist eine staatliche Sozialleistung, die auch Alleinerziehende mit geringem Einkommen entweder als Mietzuschuss oder als Kostenzuschuss für selbstgenutztes Wohneigentum („Lastenzuschuss“) erhalten. Anträge auf Wohngeld werden bei der Wohngeldstelle der jeweiligen Gemeinde gestellt. Ob und in welcher Höhe eine Wohngeld-Zahlung erfolgt, das hängt insbesondere vom Familieneinkommen, von der Anzahl der zum Haushalt gehörenden Familienmitglieder, die Höhe der monatlichen zuschussfähigen Miete und vom kommunalen Mietniveau ab. Kein Wohngeld erhält, wer bereits Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder Grundsicherungsleistungen bei Erwerbsminderung oder im Alter bezieht, da in diesen Zahlungen bereits anteilige Wohnkosten enthalten sind.

Sozialhilfe – Regelleistung und Mehrbedarfszuschläge für Kinder

Sozialhilfe ist eine Sozialleistung, die in unterschiedlichen, wirtschaftlich schwierigen Lebenssituationen gezahlt wird, um ein menschenwürdiges Existenzminimum (Grundsicherung) zu gewährleisten. Sozialhilfe kommt z. B. bei Erwerbsminderung und im Alter und bei Alleinerziehenden auch als Hilfe zum Lebensunterhalt in Betracht. So können hilfebedürftige Alleinerziehende im Alter von bis zu 65 Jahren mit Kindern bis einschließlich 14 Jahren Sozialhilfe-Unterstützung erhalten. Eine Sozialhilfe-Zahlung setzt voraus, dass dem Alleinerziehenden eine Erwerbstätigkeit von höchstens drei Stunden möglich ist und andererseits noch keine volle Erwerbsminderung vorliegt. Entsprechend der jeweiligen Lebenssituation erhalten Sozialhilfe-Empfänger neben der „Regelleistung“ einen „Mehrbedarfszuschlag“ für Kinder in Höhe von zwölf Prozent des Regelsatzes. Bei haushaltsangehörigen Kindern unter sieben Jahren sowie bei mindestens zwei Kindern bis einschließlich 15 Jahren wird sogar ein Zuschlag von 36 Prozent der Regelleistung gewährt.

Zuschüsse für Alleinerziehende in der Ausbildung

Alleinerziehende, die eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren, können bei der Agentur für Arbeit eine Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Fördervoraussetzung sind Nachweise von Ausbildung und Bedürftigkeit. Eine finanzielle Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz kommt für Alleinerziehende bei Besuch allgemeinbildender Schulen (ab Klasse 10), von Fach- und Berufsschulen sowie von Hochschulen in Betracht.

Allgemeine Tipps für mehr Geld

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