Was ist eine Privatinsolvenz?

Achtung: Es handelt sich bei diesem Text (wie bei allen anderen Texten auf diesem Blog auch) um meine persönliche Meinung als Laie und nicht um Rechtsberatung o.ä. Es gibt deshalb keine Garantie für Richtigkeit der Aussagen.

Gestern hatte ich erklärt, was ein Schuldenvergleich ist und was Schuldner dabei beachten sollten. Heute geht es um eine Alternative zum Schuldenvergleich, die Privatinsolvenz.

Was also ist eine Privatinsolvenz?

Wenn ein Mensch, im Jargon der Rechtsprechung heißt das dann „eine natürliche Person„, zahlungsunfähig ist, liegt zwar noch keine Privatinsolvenz vor. Aber es ist ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, selbst das formale Verfahren der Privatinsolvenz bzw. ein sogenanntes Verbraucherinsolvenzverfahren zu eröffnen. So etwas gibt es natürlich auch in Österreich, allerdings unter der Bezeichnung: Schuldenregulierungsverfahren.

Restschuldbefreiung

Das Verfahren ist dergestalt, dass dabei immer nur noch ein Teil, manchmal sogar ein relativ kleiner Teil der Schulden an den oder die Gläubiger zurückgezahlt und dem insolventen Schuldner ein ziemlich erheblicher Schuldenanteil erlassen wird, man spricht hier von der sogenannten Restschuldbefreiung nach einer „Wohlverhaltensphase“.

Wie lange dauert eine Privatinsolvenz?

Die Dauer einer gerichtlichen Insolvenz ist in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich.

  • Privatinsolvenz in England
    In England und Wales z. B. dauert das ganze Verfahren nur ca. 1 Jahr.
    Privatinsolvenz in Deutschland
    In Deutschland zog es sich bisher über 6 Jahre hin, seit dem 01.07.2014 kann es aber auch auf 3 Jahre verkürzt werden.

Wer ist betroffen?

Jeder Mensch kann in diese unschöne Situation der Privatinsolvenz hinein schliddern. Ein typisches Beispiel sind größere Anschaffungen auf Kredit bei einem vermeintlich sicheren, gut bezahlten Job.

Beispiel, wie eine Zahungsunfähigkeit entstehen kann

  • Meistens geht es los mit Anschaffungen, die man eigentlich nicht braucht.
    Das können teure Möbel oder eine Eigentumswohnung sein gleich gepaart mit einem neuen Auto der gehobenen Klasse.
  • Die Kredite kann man gerade so bedienen, und plötzlich macht die Firma dicht und entlässt seine Mitarbeiter.
  • Innerhalb der Familie tritt vielleicht noch ein Pflegefall ein.
  • Plötzlich steht man vor dem wirtschaftlichen Ruin, keine Chance, die laufenden Kredite wie vereinbart zu bedienen.

Achtung vor Vergrößerung der Zinslast:
In der Regel lassen die Banken noch ein Stück weit mit sich reden und verringern die Tilgungsraten, um dem Schuldner damit mehr Zeit für die Rückzahlung einzuräumen, aber das stellt sich am Ende oft nur als Mogelpackung heraus, denn die Verlängerung der Kreditlaufzeit bedeutet im Ergebnis nur eine Vergrößerung der Zinslast.

Beispiel 2: Privatinsolvenz als Selbständiger

Ein anderes typisches Beispiel ist der Selbstständige, der daran glaubt, dass er in guter Lage ein Geschäft oder Restaurant eröffnet. Für eine ansprechende Ausgestaltung des neuen Ladens sind oft hohe Kredite erforderlich, hinzu kommen vielleicht verpflichtende Wucherverträge mit dem Vermieter oder den Brauereien. Wenn dann die Gegend und das Publikum doch nicht so gut sind, und der Unternehmer vielleicht auch noch krank wird, kommt man oftmals um eine Insolvenz nicht herum.

Ein neuer Start in die Schuldenfreiheit

Die Möglichkeit für einen Neustart ins Leben per Privatinsolvenz gibt es in Deutschland seit 1999. Im Durchschnitt werden jedes Jahr ungefähr 100.000 solcher Verfahren eröffnet. Verbraucherschützer bemängeln, dass die Hürden für die Schuldenfreiheit neuerlich nach nur drei Jahren hoch sind, denn der Schuldner zahlt ja nicht nur die Verfahrenskosten für den Insolvenzverwalter und das Gericht, sondern stets auch mindestens 35 % der Gläubigerforderungen.

Ablauf einer Privatinsolvenz

Zunächst wird der pfändbare Anteil des Einkommens abgeführt. Der Insolvenzverwalter bezahlt damit die Schulden und auch die Gerichtskosten. Für die Gläubiger heißt das aber auch: „dumm gelaufen“, wenn gar kein pfändbares Einkommen zur Verfügung steht. Wer z. B. offiziell ohnehin nur von Hartz IV lebt, kann davon ausgehen, dass der pfändbare Teil gegen null geht.
(P-Konto eröffnen: Als Schuldner kann es sich deshalb lohnen, bereits vor einer Privatinsolvenz ein Girokonto mit Pfändungsschutz zu eröffnen.)

Höhe der Rückzahlungen

Am Ende entscheidet vor allem die Höhe des Einkommens darüber, welcher Schuldenanteil tatsächlich zurückgezahlt werden muss. Kommen dann noch Unterhaltsverpflichtungen hinzu, geht das im Grunde auch zulasten der Schuldner. Der pfändbare Betrag wird übrigens jeden Monat vom Arbeitgeber neu berechnet. Es ist auch der Arbeitgeber, der diesen Betrag dann direkt an den Insolvenzverwalter überweisen muss. Das ist bestimmt der peinlichste Punkt für den Schuldner.

Am Ende des Verfahrens verteilt der Insolvenzverwalter nach Abzug der Gerichtskosten das verbleibende Geld an alle Gläubiger.

Dran denken:
Schufa Eintrag löschen lassen

Während des Insolvenzverfahrens ist man übrigens nicht kreditwürdig, die Banken erfahren davon über den Schufa-Eintrag, der erst nach Abschluss des Verfahrens zu löschen ist. Es ist ratsam, sich bei der Schufa nach den eigenen Einträgen zu informieren und ggf. auf bestimmte Eintragslöschungen zu bestehen.